Your world would just explode with choices

2 06 2008

Abha Dawesar, babyji (Anchor Books)

Seit Jahren bin ich mehr als zurückhaltend, wenn mir „Coming of Age“-Geschichten empfohlen werden. Sei es bei Filmen, sei es bei Erzählungen. Irgendwie finde ich sie – so sympathisch und berührend sie sein mögen – auch immer ein wenig peinlich: Was für Dummköpfe! Wieso sagt er/sie das? Wieso macht er/sie das? Wieso merkt er/sie nicht, dass …? Und irgendwie ist es ja auch ein wenig enttäuschend, wenn man merkt, dass das eigene Coming of Age bei weitem unspektakulärer oder vielleicht sogar verunglückter abgelaufen ist, als in diesen Geschichten.
Aber dieses Buch ist wirklich lesenswert und – schon nach den ersten Seiten – unwiderstehlich. Manchmal möchte man allerdings auch hier die Titelfigur, Anamika Sharma, einfach nur an den Schultern packen, schütteln und sie zur Raison bringen. Ein famoses Buch, das der jungen indischen Schriftstellerin Abha Dawesar gelungen ist. Den Rest des Beitrags lesen »





Let me see if Adolf can / Be a little gentleman

7 01 2008

Adaptionen auf den altbekannten „Struwwelpeter“ von Heinrich Hoffman hat es ja schon viele gegeben, von der weiblichen Fassung der „Struwell-Liese„, über die antiwilheminische bis zur anti-autoritären Variante. Aber vor kurzem kam mir die Neuausgabe einer Fassung unter, die mich wirklich neugierig gemacht hat. Robert (1871-1964) und Philip Spence (1873-1945) zeichneten 1941 für den „Daily Sketch“ zugunsten dessen „War Relief Fund“, der die britischen Truppen und Opfer des Bombenkriegs unterstützen sollte, einen „Struwwelhitler. A Nazi Story Book by Doktor Schrecklichkeit„, das schnell in mehreren Auflagen gedruckt wurde. Darin sind die Geschichten des Originals auf beeindruckende Weise verarbeitet.
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Drei Geschichten – nicht kurz und nicht auf ukrainisch

6 01 2008

Meistens verweigere ich mich ja Romanen, die auf den Bestseller-Listen von Spiegel und Focus oben auf stehen, die von allen gekauft oder gelesen oder verschenkt werden. Nun, nachdem ich das Buch selbst bereits dreimal – sowohl auf deutsch wie auf englisch – verschenkt und nachdem die Buchhändlerin meines Vertrauens mir persönlich davon abgeraten hatte, habe ich mir also doch das „Bravourstück“ (Denis Scheck im Tagesspiegel) von Marina Lewycka vorgenommen, die „Kurze Geschichte des Traktors auf Ukrainisch“. Es gehört ein ziemlicher Mut dazu, ein Erstlingswerk mit einem derart sperrigen Titel zu publizieren, der so gar nichts über den Inhalt des Buches und das Genre verrät.


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Emmanuel Pierrat, Fin de Pistes, Éditions Léo Scheer 2006.

2 09 2007

Aus der Lektüre der letzten Monate gilt es heute einen wirklich lesenswerten Roman eines französischen Autors anzuzeigen, der leider bisher noch nicht in Übersetzung vorliegt. „Fin de Pistes“, das fünfte Werk von Emmanuel Pierrat, Anwalt und Dozent für Urheberrecht wurde im vergangenen Jahr bei Léo Scheer in einer schön aufgemachten Ausgabe herausgebracht: Wieder einmal ein Anlaß, den deutschen Taschenbuchverlagen ein glücklicheres Händchen bei Illustration und Layout ihrer Bändchen zu wünschen (Ausnahmen bestätigen die Regel, etwa Marina Lewyckas „Kurze Geschichte des Traktors auf Ukrainisch„, deren international abgestimmte Aufmachung aber wohl nicht der deutsche Verlag ersonnen hat). Ausweislich der Bibliographie des Autors, die sich in aller Ausführlichkeit am Ende des Buches findet, machte dieser bisher eher durch juristische Texte und Essays von sich reden – wobei „Essai“ im deutschen wohl in manchem Fall eher als Sachbuch zu übersetzen wäre. Den Rest des Beitrags lesen »





Was bleibt von Preußen? (Teil III)

11 06 2007

Preußen war mithin, so der Eindruck nach der Lektüre, – bürgerlicher, in der Breite aufgeklärter, stärker politisiert, weniger zentralistisch und weniger absolutistisch als es verbreitete Klischees wollen. Wenn man die Kapitel für das ausgehende 17. und 18. Jahrhundert liest, scheint Preußen in Clarks Augen in vielem (begrenzte bürokratische Durchdringung des Territoriums, Kaffeehäuser und literarische Salons, gemäßigte Zensur und religiöse Toleranz, neue Formen der Staatlichkeit und des Patriotismus) moderner gewesen zu sein, als Frankreich oder Österreich. Den Rest des Beitrags lesen »