Your world would just explode with choices

2 06 2008

Abha Dawesar, babyji (Anchor Books)

Seit Jahren bin ich mehr als zurückhaltend, wenn mir „Coming of Age“-Geschichten empfohlen werden. Sei es bei Filmen, sei es bei Erzählungen. Irgendwie finde ich sie – so sympathisch und berührend sie sein mögen – auch immer ein wenig peinlich: Was für Dummköpfe! Wieso sagt er/sie das? Wieso macht er/sie das? Wieso merkt er/sie nicht, dass …? Und irgendwie ist es ja auch ein wenig enttäuschend, wenn man merkt, dass das eigene Coming of Age bei weitem unspektakulärer oder vielleicht sogar verunglückter abgelaufen ist, als in diesen Geschichten.
Aber dieses Buch ist wirklich lesenswert und – schon nach den ersten Seiten – unwiderstehlich. Manchmal möchte man allerdings auch hier die Titelfigur, Anamika Sharma, einfach nur an den Schultern packen, schütteln und sie zur Raison bringen. Ein famoses Buch, das der jungen indischen Schriftstellerin Abha Dawesar gelungen ist. Den Rest des Beitrags lesen »





Was bleibt von Preußen? (Teil III)

11 06 2007

Preußen war mithin, so der Eindruck nach der Lektüre, – bürgerlicher, in der Breite aufgeklärter, stärker politisiert, weniger zentralistisch und weniger absolutistisch als es verbreitete Klischees wollen. Wenn man die Kapitel für das ausgehende 17. und 18. Jahrhundert liest, scheint Preußen in Clarks Augen in vielem (begrenzte bürokratische Durchdringung des Territoriums, Kaffeehäuser und literarische Salons, gemäßigte Zensur und religiöse Toleranz, neue Formen der Staatlichkeit und des Patriotismus) moderner gewesen zu sein, als Frankreich oder Österreich. Den Rest des Beitrags lesen »





Was bleibt von Preußen? (Teil II)

11 06 2007

Fast schon einfallslos ist der Einstieg in die Studie: „Am Anfang war Brandenburg.“ Anders als bei manchem seiner ähnlich bibelfesten Vorgänger taugt aber der „Anfang“ bei Brandenburg kaum zum Ursprungsmythos. Eloquent erläutert Clark im ersten Kapitel nämlich, warum gerade Brandenburg nicht für eine herausgehobene Stellung in der deutschen Geschichte in Frage kommen dürfte. Immerhin, das ist die feine Ironie Clarks, beendet er das Werk analog: „Am Ende war nur noch Brandenburg.“ Weit entfernt von einem zyklischen Geschichtsbild führt Clark die Geschichte der beispiellosen brandenburgisch-preußischen bzw. hohenzollernschen Expansion in seinem Konzept auf deren Ausgangspunkt zurück – auf die Landschaft Brandenburg, die er im Schluß mit deutlicher Sympathie und Rekurs auf Fontane schildert. Den Rest des Beitrags lesen »





„Am Ende war nur noch Brandenburg“ – was bleibt von Preußen? (Teil I)

11 06 2007
Christopher Clark, Preußen. Aufstieg und Niedergang 1600-1947, München (DVA) 2007 (eng. und amerik. 2006).
Iron Kingdom - DEIron Kongdom - UKIron Kingdom - US

 

Titelbilder zu interpretieren erweist sich oft als eher gewagt – nicht zuletzt, da meist nicht der Autor, sondern Lektoren und Vertrieb auf sogenannten Titelkonferenzen Formulierungen, Layouts und besonders Bilder erarbeiten. In diesem Fall läge es nahe, die Titelbilder der englischen, der amerikanischen sowie der deutschen Ausgabe von Christopher Clarks Preußen-Buch zu vergleichen. Auffällig ist einerseits, daß in allen drei Fällen Wilhelm II. die Ehre des Schutzumschlages zukommt (für mich ein Grund, wie so oft auf den meist überflüssigen und wenig innovativ gestalteten Schutzumschlag im Bücherregal zu verzichten). Andererseits sind die deutsche amerikanische Ausgabe geradezu konservativ in der Schwarzweißdarstellung WIIs in Paradeuniform, der sich auf der deutschen Ausgabe scheinbar gegen das doch eher laue Lüftchen der Veränderung stemmt. Zumindest der englische Verlag versucht mit einem Schuß Ironie den berittenen WII in sandiger (brandenburgischer?) Landschaft mit einem der Inbegriffe der technischen Moderne zu konfrontieren – mit einem Doppeldeckerflugzeug. Den Rest des Beitrags lesen »