
Seit einigen Jahren haben sich eine ganze Reihe von Printmedien energisch bemüht, eine Reihe angeblich besonders lesenswerter Titel der Weltliteratur einem großen Publikum in schön gestalteten Ausgaben zu vermitteln und zugänglich zu machen. Sicher ein ehrenwertes Unterfangen – die Verantwortlichen haben ja auch keinen Einfluß darauf, ob die Bücher, die abonniert und verschenkt wurden, auch tatsächlich gelesen werden. Immerhin wird jeder begeisterte Leser freudig die Möglichkeit genutzt haben, sich zu einem guten Preise das zu verschaffen, was er ohnehin schon längst lesen wollte – so habe ich es zumindest gehalten. Auch so mancher Literaturkritiker hat mit der geballten Autorität jahrelangen Solistentums im Quartett bereits seinen ganz persönlichen Kanon präsentiert. Einen Vorteil haben solche Projekte immerhin: Über die Auswahl läßt sich streiten – aber man kann die Primärtexte getrost schwarz auf weiß nach Hause tragen und ins Regal stellen. Welche Hybris mag jedoch hinter dem Unternehmen stecken, den Kanon selbst als aggregiertes Werk zu publizieren und für dieses Buch zweiten Grades auch noch eine Leserschaft zu erhoffen? Den Rest des Beitrags lesen »

